«Likrat – der Film» – Jüdische Jugendliche besuchen eine Schulklasse im Zürcher Oberland

Jüdische Jugendliche hatten im Rahmen einer Likrat-Begegnung eine Schulklasse im Zürcher Oberland besucht und dort über ihr Jüdischsein gesprochen. Die meisten der Schülerinnen und Schüler hatten vor dieser Likrat-Begegnung noch nie eine jüdische Person gesehen und kaum etwas über jüdisches Leben gewusst. Mit dem Dialogprojekt Likrat des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG sollen Hemmschwellen und Vorurteile abgebaut und Verständnis und Wissen zum Judentum gefördert werden. Zum ersten Mal hat ein Filmteam eine Likrat-Begegnung begleitet.

Liora benützt ihr Handy einen Tag pro Woche nicht – nämlich an Schabbat. Sie findet das toll. Die Schüler und Schülerinnen einer Sekundarschule schütteln leicht irritiert den Kopf. Einen Tag ohne Handy, das können sie sich kaum vorstellen. Das ist eine Szene aus der Dokumentation «Likrat – der Film». Liora ist jüdisch und besuchte im Rahmen des Dialogprojekts Likrat eine Schulklasse in der Sekundarschule Breite in Hinwil. Dabei wurde sie von einem Filmteam begleitet.

Likrat ist hebräisch und bedeutet «aufeinander zugehen». Aufeinander zugehen sollen jüdische Jugendliche – sie werden Likratinas respektive Likratinos genannt – und gleichaltrige Schüler und Schülerinnen. Likrat vermittelt das Judentum auf eine lebendige und einprägsame Art, weil sich die Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. Der Grundsatz jeder Likrat-Begegnung ist, dass alle Fragen gestellt werden dürfen – richtig oder falsch gibt es in dieser Schulstunde nicht. Das Projekt hat zum Ziel, Vorurteile und Stereotypen gegenüber Juden und dem Judentum abzubauen, interkulturelle und interreligiöse Erfahrungen zu vermitteln und Toleranz sowie den Dialog nachhaltig und wirksam zu fördern.

Der neue Film ist einzigartig, weil zum ersten Mal Aufnahmen einer Likrat-Begegnung in einer Schulklasse gemacht wurden. Die Dokumentarfilmerin und Grimme-Preisträgerin Britta Wauer gewährt damit Einblicke in die Atmosphäre eines solchen Besuchs und zeigt die Dynamik von Fragen, Antworten und Reaktionen der Schulklasse und der Likratinas. Der Film verdeutlicht ausserdem, wie wichtig diese Form des offenen und ehrlichen Dialogs zwischen Jugendlichen ist. Die meisten von ihnen haben vor der Likrat-Begegnung noch nie eine jüdische Person gesehen und kaum etwas über jüdisches Leben gewusst. Im Zürcher Oberland gibt es keine jüdischen Gemeinden und erkennbare Juden auf der Strasse sind sehr selten. Die Likratina Liora fasst das Erfolgsrezept treffend zusammen: «Ich finde Likrat ein ideales Projekt. Man kann nur gewinnen. Es gibt viele Vorurteile. Wenn man eine Person vor sich hat, hat man ein Bild vor Augen und kann sich vorstellen, dass die Person ganz normal ist.» Mit den Begegnungen werden Hemmschwellen abgebaut und ein unmittelbares Kennenlernen ermöglicht. Denn gegen Ende des Films und der Begegnung realisieren die Schüler und Schülerinnen, dass sie sich nur in wenigen Punkten von ihrer jüdischen Altersgenossin unterscheiden. Sie teilen dieselben Sorgen und Ängste aber auch Träume und Hoffnungen. «Likrat – der Film» feierte am 22. Juni 2018 am Drehort, die Sekundarschule Breite in Hinwil, Premiere.

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