Jüdische Gäste – Wissen vermitteln und Verständnis schaffen

Likrat Public, das Dialog- und Aufklärungsprojekt des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG, wird auch 2020 das Sommerprojekt in Schweizer Ferienregionen mit jüdischen Gästen durchführen. Mit Informationsbroschüren und vor allem mit jüdischen Vermittlerinnen und Vermittlern vor Ort soll mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Gastgebenden und jüdischen Gästen gefördert werden. Das Projekt bleibt sich in seinen Grundzügen treu, wird aber dieses Jahr aufgrund der Coronakrise in Teilen angepasst. Die Ausgabe 2020 wird am 27. Juli starten und insgesamt drei Wochen bis Mitte August dauern.

Jüdische Gäste aus aller Welt kommen schon seit Jahrzehnten in die Schweiz, um ihre Ferientage vor allem in den Schweizer Bergen zu verbringen. Wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, kommt es immer wieder zu Fragen, Unklarheiten und sogar Missverständnissen. Likrat Public setzt hier an und will über Dialog und Wissensvermittlung gegenseitiges Verständnis fördern. Dabei lebt das Projekt von Vermittlern und Vermittlerinnen, den sogenannten Likratinos und Likratinas. Vor fünf Jahren gestartet, haben die Likratinos und Likratinas schon einige Organisationen und Unternehmen mit jüdischer Kundschaft besucht. Im Sommer 2019 ist Likrat Public noch einen Schritt weitergegangen. Das Projekt hat sich nochmals intensiver der Vermittlung zwischen lokaler Bevölkerung und jüdischen Gästen und der Förderung von Verständnis gewidmet. So wurden verschiedene Massnahmen und Hilfsmittel erarbeitet und erprobt.

Die Tourismusverbände vermitteln Wissen über jüdisches Leben

Juden und jüdische Kultur gibt es in der Schweiz schon seit Jahrhunderten. Das Wissen in der Öffentlichkeit darum, was diese Kultur ausmacht und beinhaltet, ist aber vielfach nur schwach ausgeprägt. Erschwerend kommt hinzu, dass die jüdischen Gäste aus den unterschiedlichsten Ländern mit eigenen kulturellen Einflüssen in die Schweiz kommen. Die Tourismusverbände Schweiz Tourismus und hotelleriesuisse bieten schon seit vielen Jahren Informationsbroschüren für spezifische Gästegruppen an. 2019 kam neu eine Broschüre zu jüdischen Gästen hinzu. Ziel ist es über die jüdische Kultur, Tradition und Religion zu informieren und dafür Tourismusangestellten ein Gefühl zu vermitteln. Die Broschüre beschäftigt sich breiter mit dem Judentum und zeigt die Vielfalt innerhalb dieser Gästegruppe auf. Der SIG hat als Berater und Partner an der Produktion der Inhalte mitgewirkt. Die Broschüre wurde in einem Paket mit den weiteren Broschüren zu ausländischen Gästen Hotels, Wohnungsvermietern, öffentlichen Einrichtungen wie Bergbahnen und Tourismusbüros zur Verfügung gestellt.

Der SIG vermittelt Wissen und Tipps über Ferien in der Schweiz

Informationen und Verständnis braucht es bei allen Beteiligten. Der SIG hat deshalb ebenfalls eine eigene Broschüre herausgegeben, die sich an jüdische Gäste richtet. Darin werden den Leserinnen und Lesern schweizerische Eigenheiten und Verhaltensweisen nähergebracht. Dazu kommen praktische Tipps, die den Aufenthalt in der Schweiz so einfach wie möglich gestalten sollen. Ziel auch hier ist es, dass Wissen und Verständnis gefördert werden. Für die Produktion der Broschüren hatte der SIG eng mit der jüdischen Gemeinschaft in Zürich zusammengearbeitet und sich zusätzlich mit den lokalen Tourismusverbänden ausgetauscht. Die Gästebroschüren sind in Englisch, Französisch, Hebräisch und Jiddisch erschienen. Sie werden an Destinationen mit vielen jüdischen Gästen verteilt und zusätzlich zum Download angeboten..

Likrat Public vermittelt direkt und vor Ort

Als dritte Massnahme setzt Likrat Public Vermittler und Vermittlerinnen in ausgewählten Tourismusregionen ein, die eine grössere Zahl jüdischer Gäste beherbergen. Damit kommt das Projekt einem Bedürfnis der Tourismusbranche nach und erweitern das Angebot von Likrat-Begegnungen um direkte und niederschwellige Vermittlungsarbeit und Dialogförderung vor Ort. Die Vermittler und Vermittlerinnen kommen während der Hochsaison, die mit dem jüdischen Fast- und Trauertag Tischa Be’Aw im Juli oder August beginnt, zum Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, auf die Menschen zuzugehen, aufzuklären und als Ansprechpersonen zu fungieren. Damit bietet sich für lokale Bevölkerung die Möglichkeit, niederschwellig und ohne Scheu, Fragen zu stellen und neues Wissen anzueignen. Für die Gäste wiederum kann es bei Schwierigkeiten einfacher sein, mit Hilfe der Vermittlerinnen und Vermittler die richtigen Ansprechpersonen oder Informationen zu erhalten. Die Broschüren dienen dabei als Grundlageninformation, die mit der Möglichkeit, Likratinos und Likratinas persönlich Fragen zu stellen oder ihre Unterstützung zu erhalten, ergänzt werden. Likrat Public und der SIG haben für diese Initiative in den Tourismusorganisationen und in den Ferienorten engagierte Partner gefunden.

Das Sommerprojekt 2020 – Flexibilität in Zeiten von Corona

Trotz der Coronakrise und der daraus entstehenden Ungewissheiten wird das Likrat Public-Sommerprojekt auch 2020 vom 27. Juli bis zum 14. August durchgeführt. Es ist noch nicht klar, wie viele jüdische Gäste kommen und wie sie sich bewegen werden. Auf öffentliche Informationsveranstaltungen oder Likrat Public-Begegnungen wie 2019 wird dieses Mal vorläufig verzichtet. Die Likrat Public-Verantwortlichen werden sich entsprechend mehr auf die direkten Kontakte konzentrieren. Neu hinzu kommen Hilfestellungen bei der Umsetzung von Massnahmen rund um das Coronavirus. So werden insbesondere Schutzkonzepte für Gottesdienste in mehrere Sprachen übersetzt, verteilt und erklärt. Die Coronakrise verlangt von den Beteiligten des Projekts Flexibilität und fortlaufende Anpassungen ab. Die Rückmeldungen von Gästen und aus der Tourismusbranche aus der vergangenen Saison haben aber die Bedeutung des Projekts aufgezeigt. Darum freuen sich der SIG sowie die involvierten Partnerorganisationen auf die erneute Durchführung unter speziellen Bedingungen.

Tourismusbroschüre «Jüdische Gäste in der Schweiz»

Reisebroschüre «Welcome to the Swiss Alps»

  • Tagebuch einer Likratina

    Das Sommerprojekt und Likrat überhaupt steht und fällt mit den engagierten Freiwilligen, den sogenannten Likratinos und Likratinas. Eine davon ist Lea und stand 2019 im Saas-Tal im Einsatz. In einem Tagebuchbericht erzählt sie von ihren Erlebnissen.

    mehr

  • Rückblick Sommerprojekt 2019

    Am 1. September 2019 endete die Pilotsaison des Likrat Public-Sommerprojekts. In den drei Wochen war etwa ein Dutzend Vermittlerinnen und Vermittler von Likrat Public in den Ferienregionen von Davos, Arosa und im Saastal unterwegs. Nach zwei Jahren Vorarbeit und einer intensiven Umsetzungsphase waren alle Beteiligten überzeugt, dass das Projekt viele Bedürfnisse der Zielgruppen abholen konnte und dass es wichtig ist, dieses Projekt auch in Zukunft durchzuführen.

    mehr

  • Kick-off Sommerprojekt 2019

    Am 6. Juni 2019 fand in Davos der Kick-off des Projekts statt: eine erste Informationsveranstaltung für Interessierte aus der Gemeinde und der Tourismusbranche. Im Interview erklärte Jean-Pierre Galey, Leiter Gästeinformation von Destination Davos Klosters, was er sich vom Sommerprojekt erhofft.

    mehr

  • Kennenlernen im Saas-Tal 2018

    Bereits im Sommer 2018 war Likrat Public in den Tourismusregionen unterwegs. Die Aufklärungs- und Dialogangebote des Projekts stiessen schon da auf grosses Interesse. Im Interview erklärte Bruno Ruppen, der Gemeindepräsident von Saas Grund, warum er Likrat Public eingeladen hatte. Ein Jahr später 2019 startete das Sommerprojekt auch im Saas-Tal.

    mehr

Social